Plenumsphasen


 

Frontalunterricht stellt eine Sozialform neben anderen dar und ist ein wichtiges Element des Lehren und Lernens. Meist versteht man unter Frontalunterricht Phasen in dem die Lehrkraft entweder einen Vortrag hält oder ein fragend-entwickelndes Unterrichtsgespräch führt. Der Begriff Plenumsphasen stattdessen führt zu anderen Assoziationen. In Plenumsphasen kann die Lehrkraft oder auch SuS (Zwischen-)ergebnisse präsenterieren, Diskussionen können moderiert werden und Inhalte können auch (fragend-entwickelnd) erklärt werden. Neben präsentieren, moderieren und erklären wird in Plenumsphasen auch mal instruiert, hier verstanden als Aufgaben werden (möglicher Weise auch von SuS) gestellt.

 

Instruktion

 

Wenn eine Aufgabe gestellt wird, macht die Lehrkraft (oder SuS) zusätzlich zur Aufgabenstellung häufig auch Differenzierungshinweise. Zeitangaben und Hinweise zur Arbeitsweise/Sozialform werden (in Abstimmung) festgelegt. Technologisch gibt es verschiedene Optionen diesen Prozess zu unterstützen.

 

Projizieren Sie den Bildschirm Ihres Endgerätes (Laptop, Klassencomputer oder Tablet) für alle SuS sichtbar. Rufen Sie classroomscreen.com auf und wählen Sie die Unterrichtssprache, Hintergrund und Textfeld aus. In das Textfeld tippen Sie oder ein SuS die Aufgabe. Außerdem können Sie auch noch eine Uhr zeigen, einen Timer stellen, Gruppen bilden und eine Ampel zeigen, die Sie auf rot, gelb oder grün stellen können. Dies ist schnell erledigt und kann auch von SuS für Sie durchgeführt werden. Allerdings können die Angaben nicht gespeichert werden. (Behelfslösung: Screenshot, Abfotografieren). Classroomscreen.com ist eine digitale Tafel.

 

 Eine digitale Tafel, die die Inhalte speichert, ist padlet.com. Padlet enthält zwar keinen Timer, keine Ampel oder einen Gruppengenerator, aber mit Padlet kann man Texte, Webseiten, Dokumente und Filme einbinden. Außerdem erlaubt Padlet kooperatives Arbeiten. Der Erstellende einer Padlettafel kann bestimmen, wer die Tafel sehen kann und wer sie mitgestalten darf. So kann man sie über die reine Aufgabenstellung für Lernprozesse (z.B. Pro-Kontraliste oder Materialsammlungen) nutzen. Eine weitere Möglichkeit die Kreidetafel zu ersetzen ist die Nutzung einer Dokumentenkamera. Handgeschriebene Aufgaben können daruntergelegt werden und werden für alle sichtbar.

Gruppenbildung bei der Aufgabenstellung…

 

Padlets können auch in Webseiten (Blogs, Lernplattformen) eingebunden werden. Dazu wird der Einbettkode in den Html-Text der jeweiligen Seite kopiert. In Lernplattformen oder Lernmanagementsysteme (LMS) z.B. Moodle oder auch GoogleSuite können Materialien langfrisitig zusammengestellt werden. Wer diese nutzt, kann Aufgabenstellungen auch dort eingeben, dann ist für die SuS alles an einem Ort. Moodle enthält auch einen Gruppengenerator mit dem man zufällige Gruppen bilden oder die Mitglieder selbst bestimmen kann. Die Ergebnisse können in einer Übersicht gezeigt werden und sind im individuellen Nutzerprofil angegeben.

Die Nutzung von Tablets mit Apps wie Explain Everything oder Notability erlaubt die Erstellung von multimedialen Texten und kann auch für die Projektion von Aufgabenstellungen genutzt werden.

 

 

Erklären 

 

Das Erklären ist ein interaktiver Prozess, der nicht nur in Plenumsphasen stattfindet. Eine Plenumsphase kann gerade bezogen auf die Lernatmosphäre und das ‚gefordert sein‘ sowie die Entwicklung einer positiven Beziehung zwischen Lerngruppe und Lehrkraft im Lernkontext Schule durchaus funktional sein. Folgende zu berücksichtigende Aspekte lassen sich aus kognitionspsychologischer Sicht schlussfolgern: 1. Vorwissen (motivierend) aktivieren 2. Aktive Formen des Erklärens wählen 3. (abwechselungsreiche) Wiederholung integrieren 4. Tiefe Verarbeitung (viele Sinne einbeziehen, ‚berührt sein‘ erreichen) anstreben. 5. Strukturen entwickeln, die das kognitive Organisieren vereinfachen.

Das (hoffentlich selten und kurze) Erklären in Plenumsphasen besteht analog häufig aus Fragen und Antworten mit passenden Tafelbildern. Digitale kann das Erklären durch die entstehenden Modiwechsel abwechselungsreich gestaltet und Klärungsprozesse (Elaborieren) unterstützt werden.

 

Während des Erklärens kann die Lehrkraft die Unterrichtsphase mit dem eigenen Handy aufnehmen, um diese anschließend für vielfältige Wiederholungen zu nutzen, z.B. gemeinsam Anhören mit ‚ Stopp rufen‘ (bei bestimmtem Aspekt, bei Fragen, bei Wiederholung eines Aspektes, etc.); 2-3 Abpielen und SuS bitten eine (visualisierte) Mitschrift anzufertigen, die sie dann partnerweise besprechen.

Es gibt verschiedene Audioaufnahme-Apps, I-Phones haben eine vorinstallierte Sprachmemos App. Die Aufnahmen können als SMS oder E-Mail verschickt werden. Komplexere Apps erlauben das Hinzufügen von Bildern und Texten.

Eine Audio- oder Videoaufnahme (Erklärvideo) kann auch genutzt werden, um die Methode des flipped classroom umzusetzen. Dabei wird die Vorgehensweise ‚umgedreht‘: Anstelle zu vermittlen und zuhause ‚den Stoff‘ verarbeiten und wiederholen zu lassen, erhalten SuS ein Ekrlärvideo/Audiodatei und versuchen die Inhalte (als Hausaufgabe) zu verstehen und zu lernen. Im Anschluss wird die Unterrichtszeit genutzt, um Fragen zu klären, die Inhalte zu wiederholen und die Qualität des Materials zu reflektieren. Eigentlich nutzt man für die ‚flipped classroom‘-Methode Videoaufnahmen der Lehrkraft selbst, aber man kann durchaus auch auf fertige Produkte zurückgreifen wie z.B. von YouTube, Vimeo, Planet Schule, Edmond, Film&Schule, The Simple Club.

Das Video/die Audiodatei (oder verschiedene je nach Differenzierungsbedarf) kann den SuS zugeschickt werden oder, wenn vorhanden, in ihrem virtuellen Klassenraum eingebettet werden. Denkbar ist auch die Weitergabe eines Kurzlinks mit t1p.de (siehe: Materialial zur Verfügung stellen, Erste Schritte). Die Aufgabe könnte auch offener gestellt werden und SuS suchen zu einer (selbst gewählten) Fragestellung ein passendes Video. In der Stunde werden dann die verschiedenen Lernerfahrungen besprochen. Flipped Classroom wird häufig in Mathematik und Naturwissenschaften auch in der Hochschule eingesetzt, aber ich nutze es auch im Englischunterricht.

Erklärvideos können auch von der Lehrkraft oder SuS erstellt werden. Dazu kann man sich oder den Bildschirm (z.B. für iOS mit QuickTimePlayer) filmen. Möglich ist auch das Entwickeln von Erklärungen mit Hilfe von Sketchnotes/Zeichnungen und dem Filmen der Zeichnungen mit begleiteten mündlichen Erklärungen. Hier kann dann die Handy-/Tabletkamera verwendet werden. Ein passendes Unterrichtsbeispiel von Tobias Raue findet sich hier.

Es gibt auch Software wie z.B. PowToon als Webbrowseranwendung mit denen man Erklärvideos erstellen kann. Sie enthalten Vorstrukturierungen und Animationen für Eklärvideos.

 

 

Moderieren & Präsentieren

 

 

Eine häufige Art des digitalen Präsentierens in der Schule geschieht wohl durch Power Point Präsentationen. Meist fertigen SuS diese Zuhause an und bringen sie dann auf einem Stick mit in die Schule.

 

Nachteil dieser Methode ist die fehlende Vernetzung. Wenn man eine Software verwendet bei der mehrere Nutzer gleichzeitig an der Präsentation arbeiten können, kann das die Gruppenarbeiten vereinfachen. Dies ist z.B. mit Keynotes über i-cloud oder Google-Präsentationen möglich. Als Browseranwendung eignet sich auch Prezi.

 

 Eine weitere Form des Präsentierens und Moderierens während des Unterrichts ist auch das Zeigen und Besprechen von Arbeitssergebnissen. Oder man möchte einen Text besprechen und gemeinsam wichtige Aspekte markieren. Dazu eignet sich das Visualisieren mit einer Dokumentenkamera oder eines Tablets (siehe Post vom 1.11.17). Eine Halterung für das Tablet lässt sich günstig anfertigen (Dank an Tobias Raue für die Kistenidee):