Technologieeinsatz

Technologieintegration ist nicht losgelöst von (fach)didaktischen Überlegungen. Häufig wird die Sinnhaftigkeit von Technologieeinsatz unter dem Schlagwort ‚Mehrwert‘ thematisiert. In dem amerikanischen Modell TPACK nach Mishra/Koehler wird dies anhand von Schnittmengen visualisiert. Der fachliche Aspekt wird als Inhaltswissen und der didaktische Aspekt als pädagogisches Wissen bezeichnet.

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Ein weiteres amerikanisches Modell stellt die Implementierung von digitalen Medien anhand des Verhältnisses zu analogen Formen dar. Das SAMR-Modell unterscheidet vier Formen der Nutzung, nämlich das Ersetzen (substitute), Erweitern (augment), Verändern (modify) und die Neubelegung (redefine) 1.

Das Modell kann helfen den ‚Mehrwert‘ aus technologischer Perspektive zu reflektieren und Potentiale digitaler Formen aufzuzeigen. Allerdings birgt es auch die Gefahr einen wertenden Blick auf Technologieimplementierung zu werfen, indem Technologieeinsatz als Redefinition das Ziel sein sollte und mehr Wert hätte als andere Einsatzformen. Auch ist eine klare Abgrenzung der vier Stufen nicht immer einfach. Und schließlich wird die tatsächliche Qualität über den (fach)didaktischen Diskurs bzw. dem tatsächlichen Nutzen für das Lehren und Lernen bestimmt.

Das Verstehen und Behalten (= deklariver/prozeduraler Wissenserwerb), wird aus kognitionspsychologischer Sicht als Prozess des Kodierens, Wiederholens, Elaborierens und Organisierens verstanden. Eine Erklärung als reiner Lehrkraftvortrag ist nur in manchen Fällen sinnvoll, weil die Behaltensleistung von rein akkustisch wahrgenommenen Inhalten gering ist. Das Lesen, die Visualisierung von Inhalten und das Demonstrieren steigert zwar die Behaltensleistung, bleibt aber passiv. Aktive Formen sind wirkungsvoller. D.h. wenn in einer Gruppe Sachverhalte diskutiert werden, praktisch gearbeitet wird oder SuS andere ‚unterrichten‘ steigert das den Verstehens- und Behaltensprozess. Ein Anknüpfen an Vorwissen trägt ebenfalls dazu bei, dass Inhalte besser behalten werden. Das Üben/Anwenden und Wiederholen sollte miteinander verzahnt werden, um eine bedeutungshaltige Bearbeitung (Elaboration) zu erreichen.

Es kommen emotionale, situative und lebensgeschichtliche Faktoren hinzu. Eine positive angstfreie, aber fordernde Lernatmosphäre fördert die Aufnahme. Nach Deci und Ryans Selbstbestimmungstheorie tragen die drei Faktoren ‚gefordert sein‘, ’sich zugehörig fühlen‘ und ‚autonom zu handeln‘ dazu bei Zufriedenheit zu erreichen und bilden damit Grundpfeiler für effizientes, nachhaltiges Lernen.

Lehrkräfte planen Unterricht mit dem Ziel SuS entsprechend zu aktivieren, so dass sie ihre (fachspezifischen) Kompetenzen weiterentwickeln. Gleichzeitig werden auch Medienkompetenzen angestrebt, die in NRW anhand des Kompetenzrahmens des Medienpasses formuliert werden. Die Prozesse der Kompetenzentwicklung werden nach Leisen durch die Lernumgebung, die eine materiale (Aufgabenstellung, Materialien/Methoden) und personale (Moderation, Diagnose/Rückmeldung) Steuerung erfährt, beeinflusst. Die Kompetenzentwicklung ist der kontinuierliche Lernprozess, den Leisen in folgender Abfolge beschreibt: Im Lernkontext ankommen, Vorstellungen entwicklen, Lernprodukt erstellen, Lernprodukt diskutieren, Sichern und vernetzen, Transferieren und festigen. Das Modell Leisens 2 beschreibt die didkaktische Dimension bzw. den gelben Kreis des TPACK Modells.

Technologieintegration in Lehr- und Lernprozessen berührt sowohl die personale als auch die materiale Steuerung und kann auf alle Aspekte der Kompetenzentwicklung einwirken. Moderations- und Rückmeldeverfahren können digital unterstützt werden und Aufgabenstellungen können ’neubelegt‘ werden, indem z.B. digitale Lernprodukte erstellt werden oder computergestützte Kommunikationsformen eingesetzt werden. Die Verknüpfung analoger und digitaler Verfahren verändern die Lehr- und Lernprozesse und erfordern von der Lehrkraft vielfältige Medienkompetenzen.

Ausgehend von dieser Komplexität (die sich rasant entwickelnde Technologie und die Vielfalt der technologischen Werkzeuge wurde noch gar nicht erwähnt) wird in diesem Blog aus einer didaktischen Perspektive dargestellt, wie Technologieintegration umgesetzt werden kann. Um unterschiedliche Lernvoraussetzungen der Lehrkräfte bzgl. der Technologieintegration zu berücksichtigen, werden die Kategorien ‚Erste Schritte‘, ‚Weiter gehen‘ und ‚Top‘ gebildet.

 

(siehe auch Post vom 24.03.2017 – Grundlegendes zu Medien in der Schule)

(siehe auch Post vom 28.03.2015 – Tech im Unterricht)

 


 

  1. deutsche Begriffe nach Adrian Wilke, 2016
  2. Die Grafik wurde mit freundlicher Genehmigung von Prof. J. Leisen per E-Mail vom 22.3.2017 zur Vefügung gestellt, siehe auch: Josef Leisen (2010) Kompetenzorientiert unterrichten mit dem Lehr- und Lernmodell, http://www.josefleisen.de/uploads2/02%20Der%20Kompetenzfermenter%20-%20Ein%20Lehr-Lern-Modell/01%20Kompetenzorientiert%20unterrichten%20mit%20dem%20Lehr-Lern-Modell.pdf